Rede des 1. Vorsitzenden Rupert Mayer auf der Jahreshauptversammlung 2013

Als Hans von Carlowitz vor 300 Jahren mit seinem Werk: Sylvicultura oeconomica die Grundlagen für die Sicherung des Waldes schuf, stand es um den deutschen Wald schlecht. Die Wälder wurden geplündert, eine regelrechte Holznot zeichnete sich ab.

Wichtigster Augenmerk ist der Schutz und die Nutzung des Waldes in Einklang zu bringen. Der Wald bietet Erholung und ist ein CO² Speicher. Nachhaltig wirtschaften erstreckt sich heute auf alle Wirtschaftszweige und bringt mit seiner Nutzung einen hohen Beitrag für die Volkswirtschaft. Sie verpflichtet sich zur Vernunft und Verantwortung unseres Handelns im sozialen, ökologischen und ökonomischen Bereich.

Interessant ist hierzu die Statistik:

· Wald und Holz gibt in Deutschland 1,2 Millionen Menschen Arbeit.

· 170 Millionen Euro werden jedes Jahr umgesetzt

Das wichtigste ist allerdings: Die Wertschöpfung findet wesentlich im ländlichen Raum statt. Hier möchte ich auch unsere Politiker ansprechen:

Tragen Sie dazu bei, dass dieser wichtige Wirtschaftsfaktor in den Gemeinden erhalten bleibt bzw. ausgebaut werden kann.

Ein weiteres sehr ernst zu nehmendes Thema mit einschneidenden Folgen für uns Waldbauern ist

Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt

Sie ist eine beschlossene Sache der Bunderegierung vom 7. November 2007.

Hier besteht die Forderung weitere 5 % der Waldfläche als Schutzgebiete auszuweisen.

Unter 5 % natürliche Waldentwicklung versteht die sogenannte Umweltseite (Grüne, Greenpeace, Bund Naturschutz) Totalschutzgebiet. Dies wird bei Umfragen von der Bevölkerung und dem Verband der Forst- und Holzindustrie vehement abgelehnt. Nicht nur der Waldbesitzer ist betroffen, sondern es bringt auch volkswirtschaftliche Einbußen mit sich. Holz wird in unserem dicht besiedelten Land als Rohstoff dringend benötigt. Naturgemäße, nachhaltige Forstwirtschaft und Naturschutzziele widersprechen sich nicht.

Ein Beispiel hierzu:

Der Landkreis Rosenheim besitzt 100 ha Wald. Davon sind 90 ha ohne Bewirtschaftung. Nur 10 ha werden naturgemäß bewirtschaftet. Dazu kommen die Steillagen im Gebirge bzw. am Inn in den Gemeinden Soyen, Gars etc.

Interessant hierzu eine Untersuchung des Institutes für Marketing und Innovation in Österreich

In Deutschland und Österreich gehen 95.000 Arbeitsplätze verloren. Nettoexporte werden um ein Viertel sinken.

In Deutschland ist dies bereits in Baden-Würrtemberg sichtbar. Unter einem grünen Ministerpräsidenten werden bereits Flächen aus der Bewirtschaftung heraus genommen. Folge davon: Sägewerke mussten wegen mangelndem Rundholz auf dem Markt schließen.

Wie prekär die Situation ist sieht man am Sägewerk Wahl in SulzbachRosenberg. Bei einer Kapazität von 80.000 fm hat man zuletzt nur noch 20.000 fm geschnitten. Die Kostenstruktur sei nicht mehr tragbar, das Werk sei unrentabel und wird somit zum 1. April 2013 . geschlossen.

Holzmarkt

Die Umsatzzahlen beim Rundholzverkauf sind gegenüber dem Vorjahr etwas gesunken, aber mit 40.700 fm im Verein und 16.700 fm in der GmbH sehr zufriedenstellend.

Mit ein Grund die Bäume stehen zu lassen war sicherlich, dass im Jahr 2012 bei vielen Betrieben keine zwingende Notwendigkeit bestand Holz einzuschlagen, bzw. die unsichere Währungssituation. Zusätzlich dürften auch die Witterungsverhältnisse mit verantwortlich für die vorsichtige Disposition gewesen sein.Wir können von Glück reden, dass wir von Kalamitäten jeglicher Art verschont geblieben sind.

Unsere Kunden beklagen die Absatzschwäche besonders in Italien und die Rundholzknappheit. Lediglich der Export in die Levante und in den Nordamerikanischen Markt konnte etwas ausgedehnt werden.

Bei der WBV ist zu erkennen, dass der Anteil an Fichten/Tannen Langholz wieder mehr wird, was vor allem unsere heimischen Säger freuen wird. Problematisch dürfte die Rundholzversorgung bei unseren Nachbarn in Österreich werden.

Viele Säger haben ihren Betrieb stillgelegt. Wald und Holz sitzen im gleichen Boot. Nur gesunde Betriebe bringen der Forstwirtschaft gute Erlöse.

Eine immer größere Bedeutung erlangt der Energieholzmarkt, eindeutig zu Lasten der Spanplatten und Papierindustrie.

Man braucht nur die Verkaufszahlen von Hackschnitzel allein über die WBV von 18.000 srm anschauen.

Der Eigenverbrauch der Waldbesitzer an Hackschnitzel dürfte in etwa der gleichen Größenordnung liegen.

Dies als Folge saubere Waldwirtschaft sorgt sicher auch dafür, dass weniger Kalamitätsholz im Wald anfällt. Laut Ministerin Ilse Aigner kommen mehr als 35 % der gesamten erneuerbaren Energieerzeugung aus Holz. Neben der verstärkten Mobilisierung bestehender Energieholzpotentiale im Wald, ist auch die Erschließung landwirtschaftlicher Flächen notwendig, um die ehrgeizigen Ausbauziele für erneuerbare Energien zu erreichen.

Aufgrund der schwierigen Witterungsbedingungen des letzten Quartals, sollten wir keine Scheu haben, Durchforstungen in den Sommer zu verlegen. Gepflegte und durchforstete Wälder sind stabiler (siehe Streit) und beständig gegen Forstschäden.

Mit rechtzeitiger Durchforstung kann man Risiken senken und die Rendite eines Waldbestandes erhöhen. Wer wenig nutzt kann viel verlieren.

Wenn man im Wald längere Zeit nichts tut, so kann aus dem Sparbuch Wald, wie es immer so schön heißt, schnell ein Risikopapier werden.

Zitat Baron senior: Forstdirektor Sturm oder Forstdirektor Käfer

Rechtzeitige Durchforstung sind der Schlüssel zur Erziehung von Stabilität und senken das Risiko für Kalamitäten. Unsere Partner, die Säger, bekommen ihr dringend notwendiges Rundholz um ihre Betriebe weiter führen zu können.

Vollzug der Jagdgesetze

Aufsehen erregt derzeit eine sinnvolle Entscheidung des Landwirtschafts-ministeriums. Viele Jäger werden erleichtert sein, dass fahrlässige Rehbockabschüsse strafrechtlich nicht verfolgt werden.

Interessant dabei ist, dass bei einer Gesprächsrunde des Bayer. Jagdverbandes, der Waldbesitzerverbände, Bauernverbände und Grundbesitzerverbände alle diese Entscheidung für sinnvoll hielten. Umso merkwürdiger ist die Entrüstung im Nachhinein.

Es ist festzustellen, dass der Bayer. Jagdverband massiv versucht seinen Einfluss in die politische Entscheidungen zu verstärken. Dies gelingt, weil wir Bauern unsere Rechte als Jagdeigentümer nur vage wahrnehmen.

Abschließend

Die WBV Wasserburg/Haag hat sich in den letzten 25 Jahren aus einer kleinen Gruppe von Waldbesitzern zu einem starken Verband entwickelt.

Hierzu möchte ich allen danken, unseren Bauern, den Holzvermittlern, Einschlagsunternehmern, der Forstlichen Beratung und unseren Bürodamen. Alle haben dazu beigetragen, dass dieser Aufschwung möglich war. Hohe technische Entwicklungen, Professionalität und Spezialisierung haben dies noch beschleunigt. Waldeigentum soll für unsere Mitglieder keine Belastung, sondern Freude sein.

Die Arbeitsplätze im ländlichen Raum sind uns besonders viel wert. Deshalb auch das Motto : Holz der kurzen Wege

Unsere Familien die den Wald seit Generationen pflegen, sind uns ein hohes Gut, für das wir einstehen und arbeiten, damit wir unseren Kindern einen leistungsfähigen und gesunden Wald übergeben können.

Rupert Mayer, 1. Vorstand

 

 

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